Seit einigen Wochen schreibt Anna Klausner über ihre Erfahrungen mit ihrer offenen Beziehung. Über vier Jahre ist sie mit einem Partner zusammen, und es besteht die Absicht zu heiraten. Dennoch erlauben sich beide gegenseitig sexuelle Erfahrungen außerhalb ihrer Partnerschaft.

In wie weit Anna real ist, wie das Magazin Bento beteuert, oder ein Fake, wie von manchen Kommentatoren behauptet, halte ich für nebensächlich. Interessant ist, dass ich viele ihrer Schilderungen aus eigenen Erfahrungen und aus Berichten von anderen Menschen mit einem offenen Beziehungskonzept wiedererkenne. Die Kolumne ist lesenswert, wenn man Einblicke in das Thema jenseits moralischen Geschwätzes gewinnen möchte.

Heute bin ich über Annas Erfahrungen während eines längeren Auslandsaufenthalts gestolpert. Der Text hat mich sehr berührt, auch wenn ich diese Erfahrung zum Glück noch nicht machen musste. Es ist allerdings sehr tröstlich, dass eine Beziehung soetwas aushält und daran wachsen kann.

Eine Beziehung wird durch das unbedingte Vertrauen der Partner zusammengehalten. Der Partner sollte der Mensch sein, der Dich niemals im Stich lässt. Auf Sex und Spaß lässt sich keine Partnerschaft begründen. Das genügt nicht einmal für Freundschaft. Seine Eifersucht loszulassen und dem Partner Erfahrungen mit anderen Menschen zu ermöglichen, erfordert genau dieses unbedingte Vertrauen. Eine offene Beziehung ist daher bestimmt keine Heilmethode für ein Paar dessen Fundament morsch ist. Ob dann die Beschleunigung des Verfalls mit einer Abrissbirne gewünscht ist, sollte vorher gut überlegt sein. Die Kolumne kann dabei ein guter Hinweisgeber sein.

Eine offene Beziehung erfordert vor allem Offenheit nach innen. Sonst ist das Vertrauen ziemlich schnell verbrannt. Auch dies wird in der Kolumne immer wieder deutlich. Kannst Du so offen zu Deinem Partner sein?

Anna und Leo können es. Sie dürfen sich dafür sehr glücklich schätzen. Ich wünsche ihnen eine erfüllte und prickelnde Partnerschaft bis dass der Tod sie scheide.

Ein Gedanke zu “Anna Klausners Kolumne über offene Beziehung

  1. Hallo,

    … bin 52 Jahre alt und lebe in meiner 3. Beziehung seit 17 Jahren. Allerdings ist das die erste offene Beziehung. Obwohl ich in einem sehr katholischen Umfeld groß geworden bin, habe ich schon sehr früh, glaube mit 6 Jahren, ein unstillbares Interesse an der Sexualität entdeckt. Und zwar zu einer gleichgeschlechtlichen. Solange ich denken kann, hat man sich bei uns zu Hause nie über Sexualität unterhalten. Wenn, dann hat man sie als etwas schmutziges dargestellt. Als Teenager habe ich dann realisiert, dass meine sexuelle Fantasien sich von den der gleichaltrigen Jungs deutlich unterscheiden. Reden darüber konnte und durfte ich nicht. Schwul war damals noch ein Schimpfwort und Homosexualität eine Krankheit. Ich war so verwirrt, dass ich eine Frau heiratete und bekam zwei Jungs. Ich dachte mir: das wird schon, wenn ich ein Ehemann und Vater bin. Es wurde aber nicht. Die Ehe hat nur sechs Jahre gehalten, und ich hatte auch wehrend dessen immer wieder Sex mit Männern. Es durfte natürlich niemand wissen! Eines Tages dachte ich, ich bekomme keine Luft mehr, ersticke. Coming out mit 30. Musste weg! In die nächste große Stadt. Mein zweites, neues Leben anfangen. Lernte meinen ersten Mann/Partner kennen. Die zweite Beziehung hat leider nur fünf Jahre gehalten. Obwohl mein damaliger Mann sieben Jahre älter war, habe ich ihn sexuell um Lichtjahre überholt. Auch wieder mit anderen Männern. Für Ihn kam eine offene Beziehung nicht in Frage, und ich wollte nicht auf neue sexuelle Erfahrungen mit wechselnden Partnern verzichten. Schon wieder Umzug in eine neue Stadt, um ein neues Leben anzufangen. Jetzt bleibe ich allein, habe ich gedacht. Ich bin es satt zu lügen, mich zu verstecken. Wie das Leben so spielt, gerade dann, wenn man es nicht will, trifft man seinen Schatz! Nach kurzer Zeit gingen unsere sexuellen Interessen schon wieder auseinander, aber wir konnten trotzdem nicht von einander lassen. Heute sind es über 17 Jahre, und wir haben immer noch nicht von einander genug. Es hat sich so entwickelt, unsere offene Beziehung. Am Anfang war es sehr schwer den eigenen Schatz mit Anderen zu Teilen. Es kostete viel Arbeit es zu verstehen, dass der Mensch von Natur aus nicht monogam ist. Irgendwann aber, ich weiß nicht wann genau, ist die Bindung so stark und stabil, dass man sogar in der Lage ist sich für den Anderen zu freuen. Und ich musste nicht mehr lügen. Bin fest davon überzeugt, wenn man den richtigen Menschen an seine Seite hat, ist so genannte „offene Beziehung“ ganz was Natürliches. Nicht vergessen!!! Der Mensch ist von Natur aus nicht monogam. Ich kann auch nicht verstehen, wie der Mensch sich selbst das schönste, was ihn als Menschen ausmacht, verbietet. Gerade dann, wenn man in der Lage ist gemeinsam als Paar zu leben, muss man doch nicht auf sich selbst verzichten. Wir beide wollen zusammen alt werden, für einander sorgen, mit einander leben und sich treu bleiben. In jeder Hinsicht. Ich liebe meinen Mann, aber ich liebe auch mich, und ich liebe es, meinen Sex mit Anderen teilen. Es hat bei mir lange gedauert, aber ich habe meinen Hafen gefunden trotz der „offenen Beziehung“, oder war das gerade deswegen?
    Findet Eure Wahrheit und Liebe und seid glücklich,

    der Kölner Pitt

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